Donnerstag, 9. Februar 2017

Der Schulzzug kennt keine Bremsen. Und keine Kritik (My very first Schulz Moment Part III)

Der Schulzzug kennt keine Bremsen. Und keine Kritik

Seitdem die Entscheidung bekannt gegeben wurde, dass Martin Schulz der SPD-Spitzenkandidat zur Bundestagswahl wird ist viel passiert. In Umfragewerten. Und in meiner Facebooltimeline. Dort finden sich zahlreiche Jusos und sie huldigen zu einem großen Teil dem #Gottkanzler. Umfragewerte werden geteilt, es werden Profilbilder mit #ZeitFürMartin aufgemotzt und Posts mit Hashtags #ohneBremsen und #hoheEnergie gepostet. Dazu gehören auch zahlreiche Jusos, die sich jederzeit dem linken Flügel des Jugendverbands zuordnen würden.

Mich befremdet diese Euphorie zunehmend. Es sind zu einem großen Teil Genoss*innen, die überaus berechtigte Kritik am aktuellen SPD-Regierungshandeln äußern. Bei der jetzigen Begeisterung könnte man glatt den Eindruck bekommen, die Hinterzimmerentscheidung des Parteivorstandes zu Gunsten von Martin Schulz, hätte eine inhaltliche Erneuerung der Partei ersetzt.

Natürlich ist dies jedoch nicht der Fall. Erst am Sonntag hat Thomas Oppermann mit seinen Aussagen zum Thema Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer den erneuten Beweis dafür geliefert, wie viel in dieser Partei gerade im Argen liegt und wie viel Kritik geäußert werden müsste. Doch anstatt das Jusos eine Generaldebatte darüber führen, ob man in der jetzigen Situation überhaupt SPD-Wahlkampf machen sollte, wird der Martin Schulz von jeglicher Kritik an diesen Zuständen ausgeklammert. So konnte ich meiner Timeline viel berechtigte Kritik an den Oppermann Aussagen lesen. Aber dazu auch Sätze, wie „Da hilft auch Martin Schulz nicht mehr“ oder „diese Bremse gehört vom Schulzzug geschmissen“. Wie als wäre Martin Schulz das Gute in dieser Partei und losgelöst von all den anderen Dingen zu betrachten. So als Stünde der #Schulzzug für eine reine progressive Politik, die ohne all die Oppermänner auskäme. Als hätte die Parteispitze mal eben die letzten vier Jahre revidiert.

Die Jusos rühmen sich gern, dass sie eben nicht die Plakatklebetruppe der Partei seien. Dass sie stets kritisch wären und das linke Korrektiv. Dazu passt das, was ich gerade wahrnehme nicht wirklich. Das ist schade. Wenn der #Gottkanzler auf dem #Schulzzug mit #hoherEnergie und #ohneBremsen auf das Kanzleramt zurast, dann wäre es auch die Aufgabe eines kritischen Jugendverbands hier auch selbst mal die Bremse zu sein, bevor es zu spät ist.

Martin Bott



Martin blogt auch unter Zwischenrufenvondenbilligenplaetzen. Er sagt, ihr solltet dem Blog folgen, er sei sehr gut ;)

Freitag, 3. Februar 2017

My very first Schulz Moment (Part II)

War es klug Martin Schulz gegen Angela Merkel aufzustellen? Schafft er es die SPD bei den Menschen wieder beliebter zu machen? Kommt es nun endlich mal, nach langer Zeit zu einer SPD geführten Regierung?

Diese Fragen und einige Mehr gingen mir durch den Kopf als ich hörte, dass Martin Schulz als Kanzlerkandidat für die SPD antritt. Bis zu diesem Tag war er mir als EU-Parlamentsvorsitzender und als Verfechter der Europäischen Union bekannt. Er steht für Themen wie Einführung von EU-Anleihen oder  wie er es nannte „Abwehr der Dämonen des 20. Jahrhunderts“ wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus.

Neben seinen politischen Positionen betont Martin Schulz immer wieder, dass er nicht wie viele andere PolitikerInnen studiert hat, sondern „nur“ eine Ausbildung zum Buchhändler absolviert hat. Dies bringt Ihm garantiert einiges an Sympathie, doch er sollte es nicht immer bei jeder Gelegenheit zur Sprache bringen.

War es klug Martin Schulz aufgestellt zu haben? Ich bin hier geteilter Meinung. Er ist für die SPD auf jeden Fall der beste Mann im Wahlkampf um den Kanzlerposten und er wird der SPD bestimmt einige Prozentpunkte mehr in der Bundestagswahl bescheren. Doch bei aller Euphorie sollte man bedenken, dass die SPD keinen guten Ruf in der Bevölkerung hat. Angela Merkel und die CDU verlieren in den Umfragen zwar an Punkten doch der Vorsprung vor der SPD bleibt bestehen.

Ich hätte Martin Schulz geraten seinen Posten im EU-Parlament zu behalten, denn dort hat er seit über 20 Jahren sehr gute Arbeit geleistet. Zur Bundestagswahl tritt er nicht als Person gegen Angela Merkel an, sondern er muss den Ruf der SPD verändern um zu gewinnen. 

Maximilian Heusel 

Mittwoch, 1. Februar 2017

My very first Schulz Moment

Dass Martin Schulz Kanzlerkandidat der SPD wird, erfuhr ich bei meiner Arbeit im Sächsischen Flüchtlingsrat, mitten zwischen zwei Terminen. Ich hatte nur Zeit die Schlagzeile auf meinem Telefon zu überfliegen. Meine erste Reaktion war absolute Euphorie.

Heute ist diese Euphorie wieder ein bisschen verflogen. Mich hat seine Antrittsrede im Willy Brandt Haus ehrlich gesagt nicht zu 100% überzeugt. Natürlich ist es nicht gerade hilfreich, sich bei so einer Rede kritisch mit der eigenen Partei auseinanderzusetzen, aber ein bisschen weniger sozialdemokratische Selbstbeweihräucherung und etwas mehr greifbares hätten seinem Auftritt aus meiner Sicht nicht geschadet.

Martin Schulz hat 11 Jahre intensive kommunalpolitische Erfahrung als Bürgermeister der kleinen nordrhein-westfälischen Stadt Würselen. Das sagt, betont er oft. Zu oft. Nahezu jeden Moment, indem er öffentlichkeitswirksam erste Standpunkte gegen Angela Merkel abstecken könnte, nutzt er für die gleichen Ereignisse seiner Biografie. Geplatzter Traum vom Profifußball, Alkoholsucht, Neustart, Buchladen und Bürgermeister. Das ist eine honorable und nicht uninteressante Lebensgeschichte, aber eben kein Argument Bundeskanzler zu werden. Und er muss vorsichtig sein, das seine programmatische Zurückhaltung sich nicht gegen ihn wendet. Der ehemalige EU Parlamentspräsident hat mehr zu erzählen.

Martin Schulz, das ist für mich untrennbar mit Europa verbunden. Mit Reisefreiheit, Völkerverständigung, eine laute, unermüdliche Stimme gegen jede rechte Ideologie und vor Allem: Aufrichtigkeit. Ich glaube, diese Aufrichtigkeit, die Schulz ausstrahlt, ist es, die der SPD diesen aktuellen Zuspruch einbringt. Ganz besonders bei jungen Leuten.

Ich freue mich darauf zu erfahren, was er als Kanzler in Deutschland erreichen will. 

Lukas Petersohn